Freiwillig gesetzlich versichert: Sinnvoll oder nicht?

Ist es sinnvoll, sich freiwillig gesetzlich zu versichern oder überwiegen die Vorteile in der privaten Krankenversicherung? Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung lockt mit einigen Vorteilen: die kostenfreie Mitversicherung von Familienangehörigen, der Verzicht auf Gesundheitsprüfungen. Während die private Krankenversicherung für Besserverdienende günstiger ist und bessere medizinische Leistungen abgedeckt werden können.
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Ist es sinnvoll, sich freiwillig gesetzlich zu versichern oder überwiegen die Vorteile in der privaten Krankenversicherung? Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung lockt mit einigen Vorteilen: die kostenfreie Mitversicherung von Familienangehörigen, der Verzicht auf Gesundheitsprüfungen. Während die private Krankenversicherung für Besserverdienende günstiger ist und bessere medizinische Leistungen abgedeckt werden können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wer kann sich freiwillig versichern: Arbeitnehmer mit Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (2024: 69.300 Euro), Selbstständige, Beamte, Studierende über 25 Jahre, Rentner ohne Anspruch auf Pflichtversicherung, Personen, deren Familienversicherung endet
  • Beitragsberechnung: Einkommensabhängig mit Mindest- und Höchstbeiträgen, Höchstbeitrag 2024 ca. 844 Euro pro Monat + Pflegeversicherung
  • Vergleich GKV und PKV: PKV ist finanziell vorteilhaft für Besserverdienende, Beiträge nicht einkommensabhängig. In der GKV sind Beiträge einkommensabhängig, breitere Absicherung für verschiedene Lebenssituationen.

Erfahren Sie in diesem Beitrag, was es bedeutet, sich freiwillig gesetzlich zu versichern, für wen es sich lohnt und wie sich die Beiträge gestalten. Gerne stehen wir Ihnen auch beratend zur Seite, nehmen Sie dazu einfach Kontakt auf.

Freiwillig gesetzlich versichert
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Wer kann freiwillig versichert sein?

Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung bietet eine Brücke für jene, die nicht unter die Pflichtversicherung fallen oder es nicht möchten. Wer gehört zu dieser Gruppe und welche spezifischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Hier ein detaillierter Blick:

  • Arbeitnehmer über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG): Wenn Ihr jährliches Bruttoeinkommen 2024 die Grenze von 69.300 Euro überschreitet, fallen Sie nicht automatisch unter die Pflichtversicherung. Sie haben die Wahl, sich freiwillig in der GKV zu versichern oder in die PKV zu wechseln.
  • Selbstständige: Für Selbstständige bietet die freiwillige Versicherung eine Möglichkeit, sich gesetzlich zu versichern, besonders wenn sie keinen Anspruch auf eine berufsständische Versorgung haben.Selbstständige müssen nicht wie die Angestellten zunächst eine gewisse Einkommensgrenze erreicht haben. Die Beiträge basieren auf dem Einkommen. Alternativ können sie in eine PKV wechseln.
  • Beamte: Beamte können sich für eine freiwillige GKV entscheiden, wenn sie die gesundheitliche Absicherung durch die GKV der Beihilfe vorziehen. Dies kann für Beamte auf Widerruf oder in der Ausbildung relevant sein. Auch die PKV steht ihnen offen.
  • Studierende über 25 Jahre: Nach dem 25. Lebensjahr endet die Möglichkeit der kostengünstigen studentischen Krankenversicherung. Studierende in dieser Lebensphase können sich für eine freiwillige Versicherung entscheiden, um weiterhin in der GKV versichert zu bleiben. Alternativ steht ihnen der Weg in die PKV offen.
  • Rentner ohne Pflichtversicherung: Rentner, die nicht die Voraussetzungen für eine Pflichtversicherung erfüllen, beispielsweise durch eine zu kurze Vorversicherungszeit, können sich freiwillig gesetzlich versichern.
  • Personen nach Auslaufen der Familienversicherung: Wenn Sie bisher über ein Familienmitglied versichert waren und diese Möglichkeit endet – etwa durch Alter oder Einkommen –, steht Ihnen die freiwillige Versicherung offen.

Die Entscheidung für die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung hängt von individuellen Faktoren wie Einkommen, Familienstand und Gesundheitsbedürfnissen ab. 

Alternative PKV: Wer kann sich privat absichern? 

Die private Krankenversicherung steht als Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung bereit, doch nicht jeder kann diesen Weg wählen. 

In der PKV gibt es zunächst eine Gesundheitsprüfung, die über die Annahme und die Beitragshöhe entscheidet. Alter, Gesundheitszustand und Vorerkrankungen spielen eine wesentliche Rolle. Gesundheitsprüfung bedeutet, dass Sie bei der Antragsstellung alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten müssen.

Berufsgruppen: Besonders attraktiv ist die PKV für bestimmte Berufsgruppen:

  • Selbstständige und Freiberufler: Ohne Zugang zur Familienversicherung bietet die PKV oft bessere Konditionen und Leistungen, die auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sind.
  • Beamte: Sie profitieren von Beihilfeleistungen des jeweiligen Bundeslandes, die in Kombination mit einer privaten Restkostenversicherung oft günstiger und leistungsstärker als die GKV sind.
  • Gutverdienende Angestellte: Arbeitnehmer, die dauerhaft über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdienen, können die PKV wählen. Für sie kann die PKV finanziell vorteilhaft sein, insbesondere wenn sie Wert auf eine bessere medizinische Versorgung legen oder kürzere Wartezeiten beim Arzt wünschen.

Die Entscheidung für die PKV sollte jedoch wohlüberlegt sein, da ein Wechsel zurück in die GKV nur unter bestimmten Bedingungen möglich ist. Zudem sind die Beiträge nicht einkommensabhängig.

GKV oder PKV?
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Gegenüberstellung: Freiwillig versichert vs. privat 

Die Wahl zwischen der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung ist mehr als nur eine finanzielle Entscheidung; sie spiegelt persönliche Bedürfnisse und Erwartungen an den Krankenversicherungsschutz wider. 

Freiwillige GKV

  • Vorteile: Die Beiträge sind einkommensabhängig, was für Personen mit schwankendem Einkommen vorteilhaft sein kann. Zudem sind Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen oft kostenfrei mitversichert. Es gibt keine Gesundheitsprüfung.
  • Nachteile: Die Beitragssätze können steigen und für Gutverdiener können die Beiträge relativ hoch ausfallen. Zudem gibt es weniger Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung des Versicherungsschutzes.

Des Weiteren wird nach Möglichkeiten gesucht, Gutverdiener in Zukunft stärker zur Kasse zu bitten. Es wird auch über mögliche Zuzahlungen im Zahnbereich diskutiert, um die Beitragserhöhungen in den kommenden Jahren abzufedern. 

PKV

  • Vorteile: Die PKV bietet individuell anpassbaren Versicherungsschutz und oft kürzere Wartezeiten bei Fachärzten sowie Zugang zu exklusiven Leistungen wie Einbettzimmer oder Chefarztbehandlung. Die Beiträge sind nicht vom Einkommen abhängig, sondern richten sich nach dem Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand bei Vertragsabschluss.
  • Nachteile: Bei Vorerkrankungen können Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse erfolgen. Ein Wechsel zurück in die GKV ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
Beiträge in der PKV
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Beitragsberechnung in der GKV

In der gesetzlichen Krankenversicherung orientieren sich die Beiträge am Einkommen des Versicherten. Das bedeutet, je mehr Sie verdienen, desto höher ist Ihr Beitrag, bis zu einer bestimmten Grenze. Diese nennt sich Beitragsbemessungsgrenze (BBG) und liegt 2024 bei 62.100 Euro pro Jahr.

  • Für das Jahr 2024 liegt der Beitragssatz bei etwa 14,6% des Bruttoeinkommens, zu dem noch ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag der jeweiligen Krankenkasse kommt, der momentan bei circa 1,6% liegt. 
  • Es gibt jedoch einen Mindest- und einen Höchstbeitrag: Der Mindestbeitrag für freiwillig Versicherte beträgt etwa 210 Euro pro Monat, während der Höchstbeitrag, basierend auf der Beitragsbemessungsgrenze von 5.175,00 Euro monatlich, rund 844 Euro im Monat für 2024 erreichen kann.

Beitragsberechnung in der PKV

Im Gegensatz dazu werden die Beiträge in der privaten Krankenversicherung nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Eintrittsalter, Gesundheitszustand und dem gewählten Tarifleistungen berechnet. 

Das bedeutet, dass zwei Personen mit dem gleichen Einkommen unterschiedlich hohe Beiträge zahlen können, abhängig von ihren individuellen Vertragsbedingungen. In der PKV gibt es keine generelle Beitragsbemessungsgrenze.

Welchen Beitrag mit vergleichbaren Leistungen würde man in PKV zahlen?

Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung für einen Tarif mit Leistungen vergleichbar zur gesetzlichen Krankenversicherung variieren stark.

Im Gegensatz zur GKV, wo die Beiträge einkommensabhängig sind, beruhen die PKV-Beiträge auf dem Risikoprinzip. Hier einige beispielhafte Szenarien zur Orientierung:

  • Junge Einsteiger: Eine 30-jährige gesunde Person könnte mit einem Basistarif, der vergleichbare Leistungen zur GKV bietet, abhängig vom Anbieter und den gewählten Optionen, zwischen 250 und 300 Euro monatlich zahlen. Dieser Tarif würde in der Regel ambulante, stationäre und zahnmedizinische Versorgung einschließen.
  • Mittleres Alter: Für eine 45-jährige Person ohne Vorerkrankungen kann der Beitrag für einen vergleichbaren PKV-Tarif bereits zwischen 500 und 700 Euro monatlich liegen, da mit zunehmendem Alter das Risiko und somit die Beitragshöhe steigt.
  • Höheres Einkommen: Personen, die deutlich über der Beitragsbemessungsgrenze der GKV verdienen, könnten in der PKV teilweise günstigere Beiträge zahlen als in der GKV, vorausgesetzt, sie sind gesund. 
Varianten und Entscheidung
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Wer ist in der gesetzlichen vs. privaten Versicherung besser ausgehoben?

Hier einige Empfehlungen, die Ihnen helfen können, die für Sie passende Wahl zu treffen:

Freiwillig gesetzlich versichert sein sollten:

  • Familienplaner: Wenn Sie planen, eine Familie zu gründen oder bereits Kinder haben, kann die GKV attraktiv sein. Familienmitglieder ohne eigenes Einkommen sind oft kostenfrei mitversichert.
  • Personen mit schwankendem Einkommen: Selbstständige und Freiberufler, deren Einkommen stark schwankt, profitieren von den einkommensabhängigen Beiträgen der GKV.
  • Gesundheitsbewusste mit Vorerkrankungen: Die GKV führt keine Gesundheitsprüfungen durch, was bedeutet, dass Ihr Gesundheitszustand keinen Einfluss auf Ihre Beitragshöhe hat.
  • Ältere Einsteiger: Personen, die erst im höheren Alter über einen Wechsel nachdenken, finden in der GKV eine Absicherung ohne Risikozuschläge.

Besser in der PKV aufgehoben sind:

  • Gutverdiener ohne Kinder: Wenn Sie deutlich über der Beitragsbemessungsgrenze verdienen und keine kostenfreie Familienversicherung benötigen, kann die PKV finanzielle Vorteile bieten.
  • Personen, die Wert auf individuelle Leistungen legen: Wenn Ihnen wichtig ist, Zusatzleistungen wie Einbettzimmer oder Chefarztbehandlung in Anspruch zu nehmen, bietet die PKV entsprechende Tarife.
  • Junge und Gesunde: Junge Einsteiger ohne Vorerkrankungen können von günstigen Einstiegstarifen in der PKV profitieren, da die Beiträge nach dem Gesundheitszustand bei Vertragsbeginn berechnet werden.

Es ist wichtig, nicht nur die aktuellen Kosten und Leistungen zu vergleichen, sondern auch die langfristige Perspektive im Blick zu haben. Die PKV kann im Alter teurer werden, während die GKV einen gleichbleibenden Schutz bietet. Eine umfassende Beratung und eine sorgfältige Prüfung Ihrer persönlichen Situation und Ihrer Bedürfnisse sind unerlässlich, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Beratungsgespräch
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Fazit

Die Entscheidung zwischen freiwilliger gesetzlicher Krankenversicherung und privater Krankenversicherung hängt von individuellen Lebensumständen, finanziellen Möglichkeiten und persönlichen Prioritäten ab. 

Sie sollte wohlüberlegt und auf einer umfassenden Beratung basierend erfolgen, um die Versicherung zu wählen, die am besten zu den persönlichen und finanziellen Bedürfnissen passt. Nutzen Sie dazu auch eine Expertenberatung, gerne stehen wir Ihnen (unverbindlich und kostenfrei) zur Verfügung!

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Veröffentlicht: Mai 26, 2024
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Letztes Update: Mai 28, 2024