Expertentipps

Worauf es beim Entlastungsbaustein wirklich ankommt.

01

Den Arbeitgeber mitsparen lassen

Der Mehrbeitrag zählt zum Krankenversicherungsbeitrag. Solange der Höchstzuschuss von 508,59 € im Monat nicht ausgeschöpft ist, übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte. Effektiv halbiert sich damit Ihr Einsatz, eine Rendite, die kein Sparplan schlägt.

02

Bindung vor Abschluss verstehen

Das Guthaben ist kein Rückkaufswert. Wer kündigt oder den Versicherer wechselt, verliert die Ansparung an das Kollektiv. Wir empfehlen den Baustein nur, wenn der Verbleib beim Versicherer langfristig realistisch ist, etwa bei Beamten oder gefestigter Tarifwahl.

03

Das richtige Einstiegsfenster nutzen

Ideal ist der Einstieg zwischen 30 und 40 Jahren. Wir empfehlen, das Thema spätestens mit Mitte 30 strukturiert zu prüfen. Ab 50 wird der Aufpreis für eine spürbare Entlastung meist unverhältnismäßig teuer.

04

Ehrlich gegen den Sparplan rechnen

Die Garantieverzinsung ist niedrig (Höchstrechnungszins 1,0 Prozent seit Anfang 2025). Ohne Arbeitgeberzuschuss und Steuereffekt schlägt ein breiter Sparplan den Baustein renditeseitig fast immer.

Inhalt
  1. So funktioniert er
  2. Kosten und Zuschuss
  3. Der Haken
  4. Baustein oder Sparplan
  5. Aus der Beratung
  6. Bei starkem Anstieg
  7. Als Rentner
  8. Bausteine kombinieren

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Beitragsentlastungstarif: Mechanik, Kosten und Alternativen

Wie funktioniert der Beitragsentlastungstarif?

Technisch ist der Baustein eine zusätzliche, kapitalgedeckte Komponente im PKV-Vertrag. Der Aufpreis fließt in einen Spartopf, der wie die Alterungsrückstellung kalkuliert und angelegt wird. Im Gegenzug garantiert der Versicherer ab dem Zielalter eine feste monatliche Beitragssenkung, lebenslang und unabhängig davon, wie sich der Tarifbeitrag bis dahin entwickelt.

Die Höhe der Entlastung wählen Sie selbst und können sie später aufstocken. Eine Gesundheitsprüfung findet nicht statt, weil der Baustein keine Leistung versichert, sondern nur Geld umverteilt. Genau das unterscheidet ihn vom Tarifwechsel. Er macht nicht den Tarif billiger, sondern finanziert einen Teil des künftigen Beitrags vor.

Was kostet er und was übernimmt der Arbeitgeber?

Als Faustgröße kostet jede garantierte Entlastung von 100 € ab 65 einen Aufpreis, der stark vom Eintrittsalter abhängt (Erfahrungswerte):

  • mit 35 Jahren: um die 30 € im Monat
  • mit 45 Jahren: deutlich mehr
  • mit 55 Jahren: oft das Doppelte des 35-Jährigen

Die genannten Beiträge sind Orientierungswerte.

Für Angestellte greift der entscheidende Hebel: Der Baustein ist Teil des Krankenversicherungsbeitrags nach § 257 SGB V, der Arbeitgeber zahlt hälftig mit, bis der Höchstzuschuss von 508,59 € erreicht ist. Wer den Deckel noch nicht ausschöpft, spart also mit halbem Einsatz, wer darüber liegt, trägt den Aufpreis allein. Steuerlich werden die Beiträge in der Praxis überwiegend wie reguläre PKV-Beiträge behandelt und sind damit zu großen Teilen absetzbar. Die spätere Entlastung selbst ist steuerfrei.

Was ist der Haken bei Mitnahme und Rückkauf?

Der Beitragsentlastungstarif teilt das Schicksal der Alterungsrückstellungen, nur ohne deren Übertragungswert. Bei Kündigung des Bausteins oder Wechsel des Versicherers verfällt das Guthaben zugunsten des Kollektivs, eine Auszahlung gibt es nicht. Wer in finanzielle Enge gerät, kann den Baustein meist beitragsfrei stellen oder herabsetzen, das konserviert die bis dahin erreichte Entlastung anteilig. Vorzeitig zugreifen lässt sich auf das Geld in keinem Fall, auch nicht im Notfall.

Diese Bindung ist der Preis der Garantie und sie definiert die Zielgruppe. Der Baustein passt zu Menschen, die ihrem Versicherer treu bleiben, allen voran Beamten mit lebenslanger PKV-Perspektive, und weniger zu Selbstständigen mit unsicherer Systemzugehörigkeit.

Beitragsentlastungstarif oder selbst sparen: was lohnt sich?

Die Alternative ist simpel: denselben Betrag in einen breiten Sparplan legen und im Ruhestand daraus den Beitrag bezuschussen. Renditeseitig gewinnt der Kapitalmarkt fast immer, denn die Garantieverzinsung des Bausteins ist bewusst vorsichtig. Der Baustein punktet an drei anderen Stellen:

  • der hälftige Arbeitgeberzuschuss, den es für keinen Sparplan gibt
  • der Steuerabzug der Beiträge
  • die Disziplin der Garantie, die weder Börsenlaune noch Entnahme-Versuchung kennt

In der Praxis bewährt sich oft die Kombination: ein Sockel über den Baustein, solange der Arbeitgeberzuschuss trägt, der Rest flexibel am Kapitalmarkt. Wer rein selbst spart, sollte die Disziplinfrage ehrlich beantworten, denn ein mit 60 geplünderter Spartopf entlastet keinen Beitrag.

Was sehen wir in der Beratung?

In der Beratung sehen wir beim Beitragsentlastungstarif zwei wiederkehrende Fehler: Angestellte rechnen ohne den Arbeitgeberzuschuss und verwerfen den Baustein vorschnell und Bestandskunden schließen ihn mit Mitte 50 ab, wenn der Aufpreis die Entlastung kaum noch rechtfertigt.

Wir empfehlen, die Entscheidung wie eine Investition zu behandeln. Aufpreis nach Zuschuss und Steuer gegen die garantierte Entlastung über die statistische Lebenserwartung legen, daneben das Sparplan-Szenario mit realistischer Rendite und erst dann unterschreiben. Diese Rechnung dauert eine Stunde und entscheidet über einen fünfstelligen Lebenszeit-Betrag.

Wirkt die Entlastung auch, wenn die Beiträge bis dahin stark gestiegen sind?

Ja, der vereinbarte Betrag wird vom dann gültigen Beitrag abgezogen, egal wie hoch er ist. Er ist allerdings ein Festbetrag. Steigt der Beitrag stark, deckt die Entlastung prozentual weniger ab. Auch der Baustein selbst kann Beitragsanpassungen unterliegen.

Bekomme ich den Arbeitgeberzuschuss auch als Rentner auf den Baustein?

Nein, mit dem Renteneintritt endet der Arbeitgeberzuschuss. An seine Stelle tritt der Zuschuss der Rentenversicherung, der sich nach der Bruttorente bemisst und den Entlastungsbaustein nicht erhöht. Der Baustein-Vorteil entsteht also in der Erwerbsphase.

Kann ich mehrere Entlastungsbausteine kombinieren?

Ja, viele Versicherer erlauben das Aufstocken in Schritten, auch später. Jeder Baustein wird zum dann aktuellen Alter kalkuliert. Früh begonnene Schritte sind deshalb die günstigsten, späte Aufstockungen entsprechend teurer.

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