Expertentipps

Was Sie über Höhe, Wirkung und Vermeidung des Risikozuschlags wissen sollten.

01

Typische Höhe kennen

Nach unserer Beratungserfahrung liegt der Zuschlag in den meisten Fällen bei 15 bis 30 Prozent auf den Tarifbeitrag. Bei schweren Vorerkrankungen sind höhere Zuschläge möglich, eine vollständige Ablehnung bleibt die Ausnahme.

02

Pflegepflichtversicherung bleibt zuschlagsfrei

Der Risikozuschlag betrifft nur die Krankenversicherung. In der privaten Pflegepflichtversicherung sind Risikozuschläge nach § 110 SGB XI ausgeschlossen, dieser Beitragsteil bleibt also unverändert.

03

Anonym vorab prüfen

Wir empfehlen, jede Antragstellung mit Vorerkrankung über eine anonyme Voranfrage vorzubereiten, weil ein direkt abgelehnter Antrag die spätere Chance bei anderen Versicherern erschwert. Zudem wird jede Diagnose und Behandlung von den Gesellschaften unterschiedlich bewertet.

04

Reduktion ist möglich, aber kein Automatismus

Ist die Vorerkrankung dokumentiert ausgeheilt, typisch nach drei bis fünf Jahren Symptomfreiheit, können Sie die Herabsetzung des Zuschlags nach § 41 VVG beantragen. Von allein fällt er nicht weg, den Antrag stellen Sie selbst.

Inhalt
  1. Welche Erkrankung führt zu welchem Ergebnis in der Gesundheitsprüfung?
  2. Was er ist
  3. Typische Höhe
  4. Berechnung
  5. Anonyme Voranfrage
  6. Zuschlag reduzieren
  7. Aus der Beratung
  8. Arbeitgeberzuschuss
  9. Bei Anpassungen
  10. Automatische Streichung?
  11. Gesetzlicher Zuschlag
  12. Zuschlag oder Ausschluss
  13. Risikozuschlag herabsetzen lassen: der Weg über § 41 VVG
  14. Wie lange der Zuschlag gilt: Beitragsanpassung und Tarifwechsel
  15. Risikozuschlag und Steuer

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Welche Erkrankung führt zu welchem Ergebnis in der Gesundheitsprüfung?

Erkrankung wählen
Meist Annahme

Meist Aufnahme zum Normaltarif, weil die Verletzung ausgeheilt ist und kein Folgerisiko bleibt.

Wovon es abhängt
Vollständige Ausheilung ohne bleibende Beschwerden.
Wie lange
Ein Ausschluss ist hier in der Regel nicht zu erwarten.
Wie es sich lösen lässt
Nicht nötig.
Komme ich mit dieser Diagnose überhaupt in die PKV?

Typische Tendenz aus über 5.000 begleiteten Gesundheitsprüfungen. Das ist keine Zusage. Verbindlich klärt sich Ihr Fall nur über eine anonyme Voranfrage bei mehreren Versicherern.

Risikozuschlag: Höhe, Berechnung und Wege zur Reduktion

Was ist der Risikozuschlag und wann wird er erhoben?

Der Risikozuschlag ist ein Aufschlag auf den Tarifbeitrag, den der Versicherer nach der Gesundheitsprüfung festlegt, vereinbart als Prozentsatz oder als fester Euro-Betrag. Anlass ist eine Vorerkrankung, die nach den Angaben im Antrag (§ 19 VVG) statistisch höhere Behandlungskosten erwarten lässt. Ein Strafzuschlag ist das nicht. Der Versicherer kalkuliert nach Art der Lebensversicherung und gleicht ein erhöhtes Einzelrisiko über den Beitrag aus, damit er den vollen Versicherungsschutz gewähren kann. Die Alternative wäre ein Leistungsausschluss, bei dem die betroffene Erkrankung komplett vom Schutz ausgenommen wird.

Die gesetzliche Krankenversicherung kennt solche Zuschläge nicht. Sie nimmt jeden zum einkommensabhängigen Beitrag auf, während die PKV das individuelle Risiko einpreist und dafür im Gegenzug die Leistungen vertraglich garantiert. Wir empfehlen, einen Risikozuschlag nicht als Defekt zu werten, sondern als Information. Er zeigt, wie der Versicherer Ihr Gesundheitsrisiko kalkuliert hat, und ist Verhandlungsgrundlage.

Wie hoch fällt der Zuschlag typischerweise aus?

Die typische Spanne für einen Risikozuschlag in der privaten Krankenversicherung liegt bei 15 bis 30 Prozent. Leichte, gut eingestellte oder lange beschwerdefreie Befunde kommen oft mit fünf bis zehn Prozent davon, schwerere Vorerkrankungen liegen darüber, bis zu der Grenze, ab der ein Versicherer den Antrag nicht mehr annimmt. Eine feste Obergrenze nennt das Gesetz nicht, § 203 VVG verlangt nur einen angemessenen Zuschlag. Im Basistarif ist ein Risikozuschlag ganz ausgeschlossen. Ein Rechenbeispiel: Bei einem Tarifbeitrag von 600 € im Monat bedeutet ein Zuschlag von 30 Prozent einen Gesamtbeitrag von 780 €. Die genannten Beiträge sind Orientierungswerte. Wichtig für die Einordnung: Der Zuschlag wird auf den Tarifbeitrag der Krankenversicherung erhoben, nicht auf die Pflegepflichtversicherung.

Wie sich das in Euro anfühlt, zeigen Erfahrungswerte aus unserer Beratung für häufige Auslöser. Jeder Versicherer bewertet aber nach eigenen Maßstäben.

Vorerkrankung (Beispiel)Typischer Zuschlag im Monat (Erfahrungswert)
Heuschnupfen, gut kontrolliert0 bis 40 €, häufig Normaltarif
Schilddrüsenunterfunktion, medikamentös eingestelltetwa 25 bis 60 €
Bluthochdruck, gut eingestelltetwa 45 bis 150 €
Asthma bronchialeetwa 60 bis 250 €, je nach Ausprägung
Übergewicht, Rücken, Hauterkrankungenleichter bis moderater Zuschlag, abhängig vom Verlauf

Wie berechnet der Versicherer den Zuschlag?

Die Berechnung stützt sich auf die Gesundheitsfragen im Antrag, bei Bedarf nachgeforderte Arztberichte und die internen Sterblichkeits- und Kostenstatistiken des Versicherers. Diese Statistiken sind nicht harmonisiert und genau das ist die wichtigste Stellschraube für Antragsteller.

Dieselbe Diagnose kann bei einem Versicherer 15 Prozent Zuschlag ergeben, bei einem anderen 35 Prozent. Manche Anbieter haben für bestimmte Krankheitsbilder eigene Erfahrungswerte und bewerten sie milder, andere strenger. Wer nur einen einzigen Versicherer anfragt, erfährt nie, ob er gerade die teuerste Bewertung des Marktes akzeptiert.

Wie schützt die anonyme Risikovoranfrage vor dem Antrag?

Bei einer anonymen Risikovoranfrage gehen die Gesundheitsdaten ohne Namen an mehrere Versicherer, meist über einen spezialisierten Makler, weil die Fragebögen der Anbieter unterschiedlich aufgebaut sind. Als Ergebnis liegt für jeden Versicherer eine Einschätzung vor: Annahme zum Normaltarif, erwarteter Risikozuschlag, Leistungsausschluss oder Ablehnung.

Der entscheidende Vorteil: Eine abgelehnte Voranfrage erzeugt keinen Eintrag, ein formal abgelehnter Antrag wird dagegen beim jeweiligen Versicherer intern gespeichert und muss in späteren Anträgen angegeben werden. Ein gemeinsames Branchenregister führen die privaten Krankenversicherer zwar nicht, die Angabepflicht bei Folgeanträgen bleibt aber bestehen.

Wie lässt sich ein Zuschlag reduzieren oder streichen?

Ist die Vorerkrankung ausgeheilt, lohnt der Blick ins Gesetz. Nach § 41 VVG können Versicherte verlangen, dass die Prämie angemessen herabgesetzt wird, wenn der gefahrerhöhende Umstand weggefallen ist. Die verbreitete Behauptung, ein Risikozuschlag verschwinde nach fünf Jahren automatisch, ist dagegen ein Mythos. Ohne Antrag und Nachweis bleibt er bestehen.

Den Antrag auf Herabsetzung stellen Sie formlos mit einem aktuellen Attest, der niedrigere Beitrag gilt ab dem Tag, an dem er beim Versicherer eingeht. Ein zweiter Weg führt über den internen Tarifwechsel, bei dem ein prozentualer Zuschlag im günstigeren Tarif in Euro kleiner ausfallen kann.

Was sehen wir in der Beratung?

Wir haben über 5.000 Gesundheitsprüfungen begleitet. Das häufigste Muster: Antragsteller gehen ohne Voranfrage in den formalen Antrag, erhalten einen hohen Zuschlag und akzeptieren ihn aus Erleichterung über die Annahme. Damit verschenken sie genau den Spielraum, den der Markt bietet.

Wir empfehlen, vor einer Antragstellung mit Vorerkrankung mindestens fünf Voranfragen parallel zu stellen, weil die Spannweite zwischen Versicherern bei gleicher Diagnose oft 15 bis 20 Prozent ausmacht. Wie einzelne Diagnosen in der Gesundheitsprüfung typischerweise bewertet werden, behandeln wir auf den Seiten zur Gesundheitsprüfung.

Zählt der Risikozuschlag beim Arbeitgeberzuschuss mit?

Ja. Der Arbeitgeber beteiligt sich an der Hälfte des tatsächlichen Gesamtbeitrags einschließlich Risikozuschlag, gedeckelt auf den Höchstzuschuss von 508,59 € im Monat (2026, ab 2027 voraussichtlich 557,81 €). Erst oberhalb dieser Grenze tragen Sie den Zuschlag allein.

Steigt der Risikozuschlag bei Beitragsanpassungen mit?

Meist ja. Der Zuschlag ist in der Regel als Prozentsatz des Tarifbeitrags vereinbart und wächst bei einer Beitragsanpassung proportional mit. Ist ein fester Euro-Betrag vereinbart, bleibt dieser unverändert.

Wird ein Risikozuschlag irgendwann automatisch gestrichen?

Nein. Es gibt aber einen gesetzlichen Anspruch auf Herabsetzung nach § 41 VVG, wenn der gefahrerhöhende Umstand nachweislich weggefallen ist. Den Antrag müssen Sie selbst stellen und die Ausheilung ärztlich belegen.

Was unterscheidet den Risikozuschlag vom gesetzlichen Zuschlag?

Den gesetzlichen Zuschlag zahlen alle Versicherten einer privaten Krankheitsvollversicherung, vom Kalenderjahr nach dem 21. Geburtstag bis zu dem Jahr, in dem sie 60 werden. Er beträgt 10 Prozent der Bruttoprämie, fließt in die Alterungsrückstellung und senkt später den Beitrag im Alter (§ 149 VAG). Mit Ihrer Gesundheit hat er nichts zu tun. Der Risikozuschlag hängt allein an der Vorerkrankung, und nur er lässt sich nach § 41 VVG herabsetzen.

Risikozuschlag oder Leistungsausschluss: was passt besser?

Der Zuschlag erhält den vollen Schutz, auch für die Vorerkrankung, und kostet jeden Monat Beitrag. Der Leistungsausschluss kostet nichts extra, lässt aber genau die Erkrankung ungedeckt, die am ehesten wieder behandelt werden muss. Entscheidend ist also, wie wahrscheinlich weitere Behandlungen dieser Erkrankung sind und was sie kosten würden. Je höher beides, desto eher trägt der Zuschlag.

Risikozuschlag herabsetzen lassen: der Weg über § 41 VVG

Der Anspruch steht im Gesetz. Der niedrigere Beitrag gilt ab dem Tag, an dem Ihr Verlangen beim Versicherer eingeht, nicht rückwirkend.

Nachweis vom Arzt holen

Lassen Sie sich bestätigen, dass die Erkrankung ausgeheilt ist oder keine Behandlung mehr braucht: ein aktuelles Attest, Laborwerte, der Nachweis über das Ende der Medikation. Typisch ist das nach drei bis fünf Jahren Symptomfreiheit. Der Arzt sollte die Diagnose nennen, für die der Zuschlag vereinbart wurde.

Herabsetzung schriftlich verlangen

Ein formloses Schreiben genügt: Vertragsnummer, die Diagnose, der Hinweis auf § 41 VVG und die Nachweise als Anlage. Schicken Sie es so, dass Sie den Zugang belegen können, denn ab diesem Tag zählt der niedrigere Beitrag.

Antwort schriftlich geben lassen

Der Versicherer setzt den Zuschlag herab, streicht ihn oder lehnt ab. Lassen Sie sich die Entscheidung schriftlich bestätigen, mit dem Datum, ab dem sie gilt.

Wenn der Versicherer ablehnt

Den Wegfall des Risikos müssen Sie belegen. Legen Sie aber Laborbefunde und eine ärztliche Stellungnahme vor, muss der Versicherer seinerseits näher darlegen, warum er am Zuschlag festhält. So hat das Landgericht München I am 07.03.2023 im Fall eines privat Krankenversicherten entschieden (Az. 12 S 12059/22). Eine Ablehnung ohne nachvollziehbare Begründung ist deshalb nicht das letzte Wort.

Wir prüfen mit Ihnen, ob sich das Verlangen lohnt, anhand von Versicherungsschein, letztem Anpassungsschreiben und Befunden.

Wie lange der Zuschlag gilt: Beitragsanpassung und Tarifwechsel

Ein Risikozuschlag läuft so lange wie der Vertrag, bis Sie ihn herabsetzen lassen. Ein Ablaufdatum hat er nicht.

Bei der Beitragsanpassung wächst er mit. Ist der Zuschlag als Prozentsatz vereinbart, steigt er mit jeder Beitragsanpassung in Euro. Ein Beispiel mit den Werten von oben: Tarifbeitrag 600 €, Zuschlag 30 Prozent, das sind 180 € im Monat. Steigt der Tarifbeitrag angenommen um 10 Prozent auf 660 €, beträgt der Zuschlag 198 €, ohne dass sich an Ihrer Gesundheit etwas geändert hat. Gerade nach einem Anpassungsschreiben lohnt deshalb die Frage, ob der Grund für den Zuschlag noch besteht.

Beim Tarifwechsel zählt die Mehrleistung. Wechseln Sie nach § 204 VVG in einen anderen Tarif Ihres Versicherers, bleiben erworbene Rechte und Alterungsrückstellung erhalten. Bietet der neue Tarif mehr Leistung, darf der Versicherer für dieses Mehr einen Zuschlag verlangen. Den können Sie abwenden, indem Sie für die Mehrleistung einen Leistungsausschluss vereinbaren. In einem günstigeren Tarif fällt ein prozentualer Zuschlag in Euro oft deutlich kleiner aus.

Ein Wechsel zu einem anderen Versicherer löst dagegen eine komplett neue Gesundheitsprüfung aus. Ein bestehender, alter Zuschlag ist dann oft günstiger als die neue Bewertung eines inzwischen älteren Antragstellers.

Risikozuschlag und Steuer

Der Risikozuschlag ist Teil Ihres Krankenversicherungsbeitrags. Absetzbar sind nach § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG die Beitragsanteile für Leistungen, die denen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar sind, ohne den Anteil für Krankengeld oder Krankentagegeld. Wie hoch dieser Anteil in Ihrem Vertrag ist, weist Ihr Versicherer aus.

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Das Team von PKV-Welt: Tim und Sandra Bökemeier
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Berufliche Situation

Ein Wechsel in die private Krankenversicherung ist für Sie voraussichtlich nicht empfehlenswert.

Ab einem Alter von 55 Jahren ist die Aufnahme in die private Krankenversicherung häufig nur noch eingeschränkt möglich. Zudem kann ein später Wechsel mit höheren Beiträgen verbunden sein.

Uns ist wichtig, dass sich ein Wechsel für Sie auch langfristig lohnt. Deshalb möchten wir Ihnen keine Beratung empfehlen, wenn wir bereits anhand Ihrer Angaben erkennen, dass die Voraussetzungen dafür eher ungünstig sind.

Sie sind sich unsicher oder möchten Ihre Angaben korrigieren? Melden Sie sich gerne bei uns. Wir helfen Ihnen bei der Einordnung.

 

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