Ende 2025 waren 8,79 Millionen Menschen in Deutschland privat vollversichert. Gegenüber dem Vorjahr sind das rund 50.000 mehr, ein Plus von 0,5 Prozent. Damit wächst der Bestand das dritte Jahr in Folge, nach zwölf Jahren Rückgang bis zum Tiefstand von 8,705 Millionen im Jahr 2022.
Hinter dem ruhigen Branchenwert stehen sehr unterschiedliche Einzelentwicklungen. Nach einer Auswertung des VersicherungsJournal auf Basis der Geschäftsberichte haben 20 von 30 Gesellschaften ihren Vollversichertenbestand ausgebaut, zehn haben verloren. Die 30 Unternehmen decken rund 99 Prozent des Marktes ab.
Wer 2025 zugelegt hat
| Versicherer | Vollversicherte Ende 2025 | Entwicklung |
|---|---|---|
| Debeka | 2.554.768 | plus 8.275 |
| HanseMerkur | 334.332 | plus rund 20.700, etwa 7 Prozent |
| Barmenia | 329.619 | fünfstelliger Zuwachs |
| ARAG | 124.401 | rund 16,7 Prozent |
| Ottonova | 14.314 | rund 58 Prozent |
Zwei Einordnungen gehören zu dieser Tabelle. Die Barmenia-Zahl betrifft die Barmenia Krankenversicherung, nicht den fusionierten Konzern BarmeniaGothaer. Die Gothaer wird in derselben Auswertung getrennt geführt und verliert.
Und der auffälligste Prozentwert ist zugleich der am wenigsten aussagekräftige. Ottonova wächst um rund 58 Prozent, kommt damit aber auf 14.314 Vollversicherte. Das sind gut 5.000 Personen mehr auf einer sehr kleinen Basis. Die Debeka wächst prozentual kaum und gewinnt trotzdem 8.275 Versicherte, also deutlich mehr Menschen.
Wer verloren hat
| Versicherer | Vollversicherte Ende 2025 | Entwicklung |
|---|---|---|
| DKV | 652.290 | minus 14.056, rund 2,1 Prozent |
| Continentale | 362.935 | minus 6.935, rund 1,9 Prozent |
| Landeskrankenhilfe | 155.299 | rund 2,0 Prozent |
| Gothaer | 114.703 | rund 2,4 Prozent |
| Münchener Verein | 61.363 | rund 2,5 Prozent |
Auch hier lohnt der zweite Blick. Der Rückgang bei der Continentale betrifft die Vollversicherung. Über alle Sparten hinweg meldet der Versicherer für dieselbe Periode 1,3 Millionen Versicherte und ein Plus von 2,0 Prozent, getragen von den Zusatzversicherungen. Ein Minus in der Vollversicherung ist damit kein Krisensignal für das Unternehmen.
Warum diese Zahlen für Ihre Entscheidung wenig hergeben
Bestandswachstum wird in der Beratung gern als Qualitätsbeleg verwendet. Es taugt dafür nicht, und dafür gibt es drei nüchterne Gründe.
Wachstum misst Vertrieb, nicht Leistung. Ein starker Zuwachs kann auf attraktive Bedingungen hindeuten. Er kann genauso gut aus hohen Vertriebsprovisionen, einer breiten Maklerkooperation oder einem aggressiv kalkulierten Einstiegsbeitrag stammen. Von außen sind diese Fälle nicht zu unterscheiden.
Ein günstiger Einstiegsbeitrag zieht Neukunden an und wird später teuer. Genau dieses Muster sehen wir regelmäßig, wenn wir Bestandsverträge prüfen: Ein Tarif, der vor Jahren im Vergleich vorn lag, steht heute bei einem Beitrag, den niemand mehr freiwillig abschließen würde. Wer wissen will, wie ein Versicherer kalkuliert, schaut auf die Beitragsentwicklung der letzten zehn Jahre, nicht auf die Neuzugänge des letzten Jahres.
Ein Bestandsrückgang ist umgekehrt kein Warnsignal. Er kann bedeuten, dass ein Versicherer bewusst keine Neugeschäftsrabatte gibt, oder dass sein Bestand altersbedingt schrumpft. Für einen bestehenden Vertrag ist das oft die bessere Nachricht als schnelles Wachstum.
Woran Sie einen Versicherer tatsächlich messen
| Kriterium | Was Sie prüfen |
|---|---|
| Bedingungen | Was steht verbindlich im Vertragstext, nicht in der Leistungsübersicht. |
| Beitragsstabilität | Wie haben sich die Beiträge im konkreten Tarif über zehn Jahre entwickelt. |
| Kalkulation | Wurde vorsichtig gerechnet, oder war der Einstiegsbeitrag auffällig niedrig. |
| Finanzstärke | Tragen die Alterungsrückstellungen die Kosten im Alter. |
| Passung | Deckt der Tarif Ihre Berufssituation, Ihre Familienplanung und Ihre Gesundheitsgeschichte ab. |
Der letzte Punkt entscheidet in der Praxis am häufigsten. Ein Tarif, der für einen 32-jährigen Angestellten die richtige Wahl ist, kann für eine Selbstständige mit Kinderwunsch die falsche sein, unabhängig davon, wie stark der Versicherer im vergangenen Jahr gewachsen ist.
Der Blick auf die Branche insgesamt
Die übrigen Zahlen des PKV-Verbands für 2025 ordnen das Wachstum ein:
- 40,8 Millionen Versicherungen insgesamt, davon 31,98 Millionen Zusatzversicherungen, ein Plus von 2,2 Prozent
- 54,4 Milliarden Euro Beitragseinnahmen in Kranken- und Pflegeversicherung, plus 7,3 Prozent
- 42,1 Milliarden Euro ausgezahlte Leistungen, plus 7,1 Prozent
- 355,4 Milliarden Euro Alterungsrückstellungen, plus 3,8 Prozent
Die Leistungen wachsen also schneller als der Versichertenbestand. Das ist der eigentliche Kostendruck hinter den Beitragsanpassungen, und er trifft wachsende wie schrumpfende Gesellschaften gleichermaßen.
Fazit
Die private Krankenversicherung wächst wieder, moderat und zum dritten Mal in Folge. Für die Frage, bei welchem Versicherer man sich versichern sollte, ist das keine Antwort.
Eine Marktanalyse, die auf Bestandswachstum oder auf dem bekannten Markennamen aufbaut, greift zu kurz. Entscheidend sind die Bedingungen, die Beitragshistorie des konkreten Tarifs und die Frage, ob dieser Tarif zur eigenen Lebenssituation passt. Wer das prüfen möchte, sollte den Vergleich auf diese Kriterien stellen und nicht auf die Rangliste des vergangenen Jahres.
