Die WirtschaftsWoche hat am 11. September 2026 ihren jährlichen Vergleich privater Krankenvollversicherungen veröffentlicht. Erstellt hat ihn das Analysehaus Morgen & Morgen, exklusiv für die Redaktion. Untersucht wurden Tarife für Angestellte an zwei Musterfällen: einem 30-Jährigen und einem 40-Jährigen.
Anlass ist die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. Das im Juli verabschiedete Beitragsstabilisierungsgesetz bringt höhere Zuzahlungen für Medikamente, weniger Leistung bei Zahnersatz und die Streichung der Homöopathie. Gleichzeitig steigt die Beitragsbemessungsgrenze. Beides zusammen lässt vor allem Gutverdiener über einen Wechsel in die PKV nachdenken.
Wie getestet wurde
Die Vorauswahl lief über das Leistungsrating. In den Preisvergleich kamen nur Tarife, die im M&M-Rating PKV Vollversicherung fünf Sterne erreicht haben, also die Höchstbewertung.
| Kriterium | Vorgabe im Test |
|---|---|
| Selbstbeteiligung | höchstens 500 Euro im Jahr |
| Zahnersatz | mindestens 70 Prozent Erstattung |
| Unterbringung im Krankenhaus | Einbettzimmer |
| Leistungsrating | fünf Sterne im M&M-Rating PKV Vollversicherung |
| Gewichtung | zwei Drittel Leistungsstärke, ein Drittel Beitrag |
Ein Detail der Methode ist wichtig für das Verständnis der Ergebnisse: Damit Tarife mit unterschiedlich hoher Selbstbeteiligung vergleichbar werden, wurde diese rechnerisch auf den Monatsbeitrag aufgeschlagen. Ein Tarif ohne Selbstbeteiligung wird dadurch nicht automatisch besser bewertet als einer mit 500 Euro.
Was herauskam
Für den 30-Jährigen erhielten elf Tarife die Spitzennote „exzellent”. Die Monatsbeiträge ohne den rechnerischen Aufschlag liegen zwischen 605,45 Euro und 1.025,09 Euro. Den ersten Platz belegt die Allianz mit einem Monatsbeitrag von 755,27 Euro, einer Selbstbeteiligung von höchstens 500 Euro und 75 Prozent Erstattung beim Zahnersatz.
Beim 40-Jährigen reicht die Spanne von 733,49 Euro bis 1.203,73 Euro. Hier sind es dreizehn Tarife mit Bestnote, weil zu den elf Gesellschaften des ersten Vergleichs noch zwei weitere hinzukommen.
Neben der Allianz erreichen Tarife von Ottonova, uniVersa, AXA, Hallesche, Münchener Verein, LKH, SDK, BBKK, UKV und Barmenia die Bestnote, beim 40-Jährigen zusätzlich Gothaer und Signal Iduna. Die vollständige Tabelle mit allen Beiträgen steht in der Quelle.
Bemerkenswert ist die Spreizung. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Tarif mit derselben Note liegen beim 30-Jährigen rund 420 Euro im Monat. Alle elf erfüllen dieselben Mindestanforderungen und tragen dieselbe Bewertung.
Der zweite Test: Was im Leistungsfall ankommt
Morgen & Morgen hat ergänzend simuliert, was die Erstattungsversprechen konkret bedeuten. Dafür wurden für einen 30-jährigen Versicherten fiktive Arzt- und Krankenhausrechnungen durchgerechnet und anhand der jeweiligen Versicherungsbedingungen ermittelt, welche Erstattung zu erwarten ist.
| Szenario | Angenommene Kosten | Ergebnis |
|---|---|---|
| Niedrige Gesundheitskosten | 628 Euro im Jahr: fünf Hausarztbesuche, ein Facharztbesuch ohne Überweisung, drei Rezepte zu je 20 Euro, eine Zahnbehandlung zu 118 Euro | 16 Versicherer „exzellent”, vorn Ottonova, uniVersa, AXA und Hallesche |
| Mittlere Gesundheitskosten | 7.538 Euro im Jahr, davon 4.850 Euro für sieben Tage Krankenhaus im Einbettzimmer mit privatärztlichen Honoraren | 14 Versicherer „exzellent”, besonders gut Allianz, LKH und SDK |
Im ersten Szenario sind die Kosten in allen betrachteten Tarifen grundsätzlich erstattungsfähig. Der Unterschied entsteht allein durch die vereinbarte Selbstbeteiligung, und die ist eine bewusste Entscheidung des Versicherten, kein Mangel des Tarifs.
Im zweiten Szenario wird der Unterschied sichtbar. Ein Beispiel aus der Untersuchung: In einem Tarif mit 500 Euro Selbstbeteiligung wären die angenommenen Leistungen vollständig erstattungsfähig, der Versicherte trägt genau seine Selbstbeteiligung. In einem anderen Tarif liegt die Selbstbeteiligung bei null, trotzdem bleiben 350 Euro beim Versicherten hängen, weil diese Leistungen vom Tarif nicht abgedeckt sind.
Das ist der eigentliche Befund dieses Tests. Ein niedriger Selbstbehalt sagt nichts darüber, ob eine Rechnung am Ende bezahlt wird. Entscheidend ist, welcher Anteil der Kosten überhaupt erstattungsfähig ist.
Was ein Ranking nicht prüfen kann
Ein Test arbeitet mit festgelegten Kriterien. Das macht ihn vergleichbar und gleichzeitig unvollständig. Punkte, die in unserer Beratung regelmäßig über die Tarifwahl entscheiden, tauchen in den Testvorgaben nicht auf:
- die Erstattung von Arzthonoraren über den Regelhöchstsätzen der Gebührenordnungen GOÄ und GOZ
- Hilfsmittel, also die Frage nach einem offenen oder geschlossenen Hilfsmittelkatalog
- Heilmittel wie Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie
- Psychotherapie, Erstattungshöhe und Sitzungsbegrenzungen
- Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung
- die Behandlung in Privatkliniken
Wer eine dieser Leistungen braucht, kann mit dem Testsieger schlechter fahren als mit einem Tarif, der im Ranking gar nicht auftaucht. Welche Kriterien wir stattdessen anlegen, steht im Beitrag zur besten privaten Krankenversicherung und, auf die Berufsgruppe bezogen, unter beste PKV für Angestellte.
Dazu kommt ein zweiter blinder Fleck. Getestet wurde ausschließlich das obere Leistungssegment. Für viele Angestellte ist ein solider Tarif aus der Mitte mit guten Optionsrechten die wirtschaftlich klügere Entscheidung, gerade wenn das Einkommen noch wachsen soll. Diese Tarife kommen in einem Test, der bei fünf Sternen beginnt, nicht vor.
Der Zeitdruck kommt aus der GKV, nicht aus dem Test
Für Angestellte ist die zweite Nachricht des Artikels wichtiger als die Rangliste. Durch die außerordentliche Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze müssen Beschäftigte nach Angaben des PKV-Verbands im nächsten Jahr wenigstens rund 85.000 Euro brutto verdienen, bevor ein Wechsel in die PKV überhaupt möglich ist. Die Schwelle steigt um etwa zehn Prozent.
Der endgültige Wert steht erst mit der Rechengrößenverordnung fest. Wie die Jahresarbeitsentgeltgrenze funktioniert und welche Gehaltsbestandteile mitzählen, haben wir gesondert erklärt, die konkreten Zahlen für das kommende Jahr stehen in unserer Meldung zu den Einkommensgrenzen 2027.
Auf der anderen Seite steigt der Höchstbeitrag in der GKV. In dem Artikel wird er für das kommende Jahr mit etwa 1.370 Euro beziffert. Alle im Test bewerteten Tarife liegen für einen 30- oder 40-Jährigen darunter. Der zitierte Experte ordnet das selbst ein: Die PKV sei kein Beitragssparmodell, sondern eine Frage der medizinischen Versorgung. Dem schließen wir uns an, und zwar aus einem nüchternen Grund. Der heutige Beitragsvorteil ist kein Versprechen für die nächsten dreißig Jahre, entscheidend ist die Beitragsstabilität des gewählten Tarifs.
Unsere Einschätzung
Der Test ist sauber gemacht und die Methode ist offengelegt. Beides ist mehr, als viele Ranglisten bieten. Als Orientierung, welche Gesellschaften im Premiumsegment aktuell leistungsstark kalkulieren, ist er nützlich.
Als Entscheidungsgrundlage taugt er nicht, und zwar aus einem Grund, der nichts mit der Qualität des Tests zu tun hat: Er kennt Sie nicht. Vor jedem Tarifvergleich steht bei uns die Gesundheitsprüfung. Ein Beitrag aus einer Tabelle ist nur dann Ihr Beitrag, wenn der Versicherer Sie zu diesen Konditionen aufnimmt. Aus mehr als 5.000 von uns durchgeführten Prüfungen wissen wir, dass Gesellschaften dieselbe Vorgeschichte unterschiedlich bewerten. Deshalb klären wir die Versicherbarkeit zuerst über eine anonyme Risikovoranfrage.
Fazit
Elf beziehungsweise dreizehn Tarife mit der Note „exzellent”, eine Beitragsspanne von über 400 Euro im Monat bei gleicher Bewertung und ein Leistungsfall-Test, der zeigt, dass ein Selbstbehalt von null nicht vor Eigenbeteiligung schützt. Das ist die Substanz dieser Untersuchung.
Ein Testsieger ist eine Orientierung. Welcher Tarif zu Ihnen passt, entscheidet sich an Ihrem Gesundheitszustand, an den Leistungen, die Sie tatsächlich brauchen, und an der Frage, ob der Beitrag auch in dreißig Jahren tragbar ist.
Häufige Fragen
Ist der Testsieger automatisch der beste Tarif für mich?
Nein. Ein Ranking prüft feste Kriterien an einem Musterkunden. Ihr Alter, Ihr Gesundheitszustand und die Leistungen, die Ihnen wichtig sind, stehen in keinem Ranking. Ein Tarif, der bei Zahnersatz 75 Prozent erstattet, kann für Sie die falsche Wahl sein, auch wenn er einen Test gewinnt.
Warum tauchen in solchen Tests immer dieselben Gesellschaften auf?
Weil die Vorauswahl über ein Leistungsrating läuft. Wer die Höchstnote im Rating nicht erreicht, kommt gar nicht erst in den Preisvergleich. Das ist methodisch sauber, blendet aber das gesamte mittlere Tarifsegment aus, das für viele Angestellte wirtschaftlich sinnvoller sein kann.
Sagt ein guter Testplatz etwas über künftige Beiträge?
Nein. Getestet wird der Beitrag zum Zeitpunkt der Untersuchung. Wie sich ein Tarif über dreißig Jahre entwickelt, hängt an der Kalkulation, am Versichertenbestand und an der Kostenentwicklung. Das ist eine eigene Prüfung.
