Die Leistungsausgaben der privaten Krankenversicherer sind von 2018 bis 2025 um 44 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Auswertung der Kölner Ratingagentur Assekurata hervor, über die das Fachmagazin Cash. am 23. September 2026 berichtet hat. Allein 2024 legten die Ausgaben um rund 10 Prozent zu, 2025 noch einmal um rund 7 Prozent.
Wer in diesem Herbst ein Schreiben zur Beitragsanpassung bekommt, findet in diesen Zahlen die Ursache. Sie erklären auch, warum die Versicherer ihr eigenes Geschäftsmodell gerade umbauen.
Die Zahlen im Überblick
| Zeitraum | Entwicklung der Leistungsausgaben | Quelle |
|---|---|---|
| 2018 bis 2025 | plus 44 Prozent | Assekurata |
| 2024 | plus rund 10 Prozent | Assekurata |
| 2025 | plus rund 7 Prozent | Assekurata |
| 2025, gesamte PKV | 42,1 Milliarden Euro, plus 7,1 Prozent | PKV-Verband |
| 2025, nur Krankenversicherung | 39,0 Milliarden Euro, plus 6,9 Prozent | PKV-Verband |
Die Werte von Assekurata und PKV-Verband passen zusammen. Für 2025 kommen beide auf einen Anstieg von rund 7 Prozent. Das Jahr 2024 lag mit rund 10 Prozent deutlich über dem Schnitt. Solche Sprünge kommen mit Verzögerung im Beitrag an, weil der Versicherer die Abweichung erst im Nachhinein feststellt und dann neu kalkuliert.
Was die Kosten treibt
Den einen Grund gibt es nicht. Mehrere Entwicklungen im Gesundheitswesen laufen gleichzeitig in dieselbe Richtung:
- steigende Kosten im Gesundheitswesen insgesamt
- teurere Medikamente und neue Therapien
- höhere Krankenhauskosten
- mehr in Anspruch genommene Leistungen
- der medizinische Fortschritt, der Behandlungen möglich macht, die es vor wenigen Jahren nicht gab
Der letzte Punkt gehört zur ehrlichen Einordnung. Ein Teil der Kostensteigerung ist der Preis dafür, dass Krankheiten heute behandelbar sind, bei denen die Medizin früher an ihre Grenzen kam. Wie groß einzelne Rechnungen dabei werden können, zeigt die Auswertung der teuersten Behandlungsfälle eines großen Versicherers.
Vom Kostenerstatter zum Gesundheitspartner
Lange Zeit war die Rolle eines privaten Krankenversicherers einfach: Rechnung kommt, Rechnung wird geprüft, Geld wird erstattet. Assekurata beschreibt, wie sich die Branche davon löst. Die Versicherer setzen an zwei Stellen an.
| Ansatz | Was dazugehört |
|---|---|
| Gesundheitsmanagement | Präventionsprogramme, Disease-Management bei chronischen Erkrankungen, Case-Management bei schweren Fällen, Zweitmeinungsverfahren, Arzneimittelmanagement, Services wie Terminvermittlung oder Hilfsmittelversorgung |
| Leistungsmanagement | Rechnungsprüfung, Prüfung der medizinischen Notwendigkeit, zunehmend unterstützt durch Digitalisierung und KI |
Für Versicherte hat das zwei Seiten. Ein gutes Case-Management kann nach einer schweren Diagnose tatsächlich entlasten, weil jemand die Behandlung koordiniert und Wege abkürzt. Eine strengere Rechnungsprüfung dagegen spüren Sie als häufigere Rückfragen oder gekürzte Erstattungen. In unserer Beratungspraxis sehen wir beides. Entscheidend ist, was im Bedingungswerk Ihres Tarifs steht, denn daran muss sich jede Prüfung messen lassen.
Warum Ihr Beitrag nicht einfach mit dem Alter steigt
Ein verbreiteter Irrtum lautet: PKV-Beiträge steigen, weil der Versicherte älter wird. Das stimmt so nicht. Das Älterwerden ist in der Kalkulation von Anfang an enthalten. Ein Teil des Beitrags fließt in die Alterungsrückstellungen, die den höheren Bedarf im Alter auffangen sollen.
Angepasst wird der Beitrag, wenn die tatsächlichen Leistungsausgaben in einem Tarif von der ursprünglichen Kalkulation abweichen. Nach § 155 VAG muss der Versicherer das mindestens einmal im Jahr prüfen. Liegt die Abweichung bei mehr als 10 Prozent, muss neu kalkuliert werden, sofern die Bedingungen keinen niedrigeren Schwellenwert vorsehen. Ein unabhängiger Treuhänder prüft das Ergebnis. Ist die Begründung im Anpassungsschreiben unzureichend, kann die Erhöhung formell unwirksam sein, wie ein aktuelles Urteil zur Beitragserhöhung zeigt.
Daraus folgen zwei Dinge, die Kunden oft überraschen. Beiträge steigen in Stufen, weil ein Tarif mehrere Jahre unter dem Schwellenwert bleiben kann und dann ein großer Schritt kommt. Und zwei Menschen im selben Alter können sehr unterschiedliche Anpassungen bekommen, weil es auf das Tarifkollektiv ankommt, nicht auf den Einzelnen.
Was Sie jetzt tun können
Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen können Sie nicht beeinflussen. Die Frage, wie gut Ihr eigener Vertrag damit umgeht, sehr wohl.
- Prüfen Sie Ihren Tarif an seiner Beitragsentwicklung der vergangenen zehn Jahre, nicht am heutigen Monatsbeitrag.
- Sehen Sie bei einer Anpassung zuerst den Tarifwechsel nach § 204 VVG an. Ihre Alterungsrückstellungen bleiben dabei erhalten.
- Rechnen Sie einen höheren Selbstbehalt gegen Ihren tatsächlichen Verbrauch, nicht nur gegen die Beitragsersparnis.
- Wechseln Sie den Versicherer nicht allein wegen eines günstigeren Einstiegsbeitrags. Die aufgebauten Rückstellungen gehen dabei weitgehend verloren, mitnehmen können Sie höchstens den Übertragungswert.
Unsere Einschätzung
Ein Plus von 44 Prozent in sieben Jahren ist kein Ausrutscher, sondern ein Trend. Er wird die Beitragsanpassungen der nächsten Jahre prägen, bei allen Versicherern. Ob die Programme zum Gesundheitsmanagement den Anstieg spürbar bremsen, lässt sich heute nicht belastbar sagen. Dafür fehlen noch die Zahlen über mehrere Jahre.
Belastbar ist etwas anderes: Tarife, die von Beginn an vorsichtig kalkuliert wurden, verkraften steigende Kosten besser als Tarife, die mit einem niedrigen Einstiegspreis gewonnen haben. Wer seinen Vertrag vor der nächsten Anpassung prüfen lässt, hat mehr Möglichkeiten als jemand, der erst nach dem Schreiben reagiert.
Häufige Fragen
Steigt mein Beitrag, weil ich älter werde?
Nein. Das Älterwerden ist in der PKV von Beginn an einkalkuliert. Ein Teil Ihres Beitrags fließt in die Alterungsrückstellungen, die genau diesen Effekt auffangen sollen. Beitragsanpassungen entstehen, wenn die tatsächlichen Leistungsausgaben in Ihrem Tarif von der ursprünglichen Kalkulation abweichen und der gesetzliche Schwellenwert überschritten ist.
Werden die Beiträge 2027 wieder steigen?
Für einen Teil der Tarife steht das bereits fest. Mehrere Versicherer haben ihre Anpassungen zum 01.01.2027 mitgeteilt, die Werte je Tarif und Eintrittsalter finden Sie auf unseren Seiten zur Beitragserhöhung. Wie stark Ihr eigener Vertrag betroffen ist, hängt vom Tarif ab, nicht vom Marktdurchschnitt.
Kann das Gesundheitsmanagement der Versicherer meinen Beitrag senken?
Direkt nicht. Programme wie Zweitmeinung oder Case-Management sollen unnötige Kosten im gesamten Tarifkollektiv vermeiden und so den Anstieg bremsen. Ob das gelingt, zeigt sich erst über mehrere Jahre in der Beitragsentwicklung eines Tarifs.
